Schulterherein, das „Aspirin der Reitkunst“ wie es der portugiesische Reitmeister Nuno Oliveira bezeichnete, ist ein Heilmittel bei vielen reiterlichen Problemen. Ein korrekt gerittenes SH trägt nicht nur maßgeblich zur Gymnastizierung bei, es fördert je nach Abstellungsgrad die Längsbiegung des Pferdes. Fordert unter anderem die Durchlässigkeit und Schenkelgehorsam. Durch das vermehrte Untertreten des inneren Hinterbeins unter den Schwerpunkt des Pferdes, werden die Hanken veranlasst sich stärker zu beugen, was zur Versammlung des Pferdes maßgeblich beiträgt. Der „Erfinder“ des Schulterhereins François Robinchon de la Guérinière (1733) beschreibt diesen Effekt wie folgt:

„ Das Schultereinwärts bereitet das Pferd vor, sich auf die Hanken zu setzen; denn bei jedem Schritt, den es in dieser Stellung tut, bringt es den inneren Hinterschenkel unter den Leib, und setzt ihn über den äußeren, welches es, ohne die Hanken zu senken, nicht verrichten kann.“

Ein weiterer Vorteil des Schulterherein ist, dass sich der Rücken des Pferdes aufwölben kann, dies geschieht durch Zug auf die Rückenfazie über das tief tretende Bein. Letzten Endes wird das Pferd „gebogen gerade“ geritten, also trägt das Schulterherein ebenso zur Geraderichtung bei.
Lediglich über die Abstellung also wieweit die Schulter herein geführt wird, streiten sich die Geister. Ein Schulterherein kann auf 3 oder 4 Hufschlaglinien geritten werden. Bei Letzterem kreuzen sich auch die Hinterbeine.
Aller Anfang ist schwer! Und gerade beim Schulterherein trifft dieses Sprichwort den Nagel auf den Kopf. Die Hilfen im Schulterherein müssen auf Bruchteilen von Sekunden aufeinander abgestimmt sein, dass Pferd muss verstehen seitwärts und nicht vorwärts zu treten, es sollte weiterhin im Takt und Losgelassen, mit unverkrampften und weiter atmenden Reiter (alles andere ist ungesund!) dahinschreiten und irgendwann sollte sich diese Übung mit der Kraft der Gedanken und minimalen Hilfegebungen abrufen lassen. Bis dahin ist es ein weiter, manchmal steiniger Weg, bei dem ich Euch gerne unterstütze. Also packen wir es an und schlucken die Aspirin :-)

Hier: Meine Schüler Chrissi und Marc im schönen Schulterherein

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